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CKD - Leitgedanken

Vorwort

Im 160. Jahr seit Gründung der ersten ehrenamtlich caritativ tätigen Frauengruppe in Deutschland legen die Caritas-Konferenzen Deutschlands e.V.* ihre CKD-Leitgedanken vor.

Sie wurden in einem Diskussionsprozess erarbeitet und vom CKD-Vertretertag 2000 verabschiedet und in Kraft gesetzt.

Als Grundlage dienen die Leitgedanken vom 10.09.1977 sowie das am 06.05.1997 beschlossene Leitbild des Deutschen Caritasverbandes.

Ziel der CKD-Leitgedanken ist es zu beschreiben, wer wir sind, für wen und in welchem Geist wir ehrenamtlich freiwillige Dienste leisten, wer unsere Partner sind, sowie Wege in die Zukunft aufzuzeigen.

Wir wissen, Caritas ist Zeugnis der geschwisterlichen Kirche, ist dem Leben verpflichtet und Weg zum Menschen, insbesondere zum Menschen in Not. Aus dieser Quelle schöpfen wir. Daraus erwachsen die Maßstäbe und Grundsätze, die uns leiten.

Mit den CKD können sich andere auf den Weg begeben, gemeinsam handeln und damit zu einer Zukunft beitragen, in der die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der hilfesuchenden Menschen zur Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Christen in unseren Städten und Gemeinden werden.

Mai 2000

Elisabeth Freifrau von Lüninck<br />
- Vorsitzende -

Elisabeth Freifrau von Lüninck
- Vorsitzende -

* Zu den Caritas-Konferenzen Deutschlands e.V. gehören die ihnen angeschlossenen Diözesanverbände der CKD, der St. Elisabethen-Verein München, ihnen angeschlossene diözesane Arbeitsgemeinschaften und die Arbeitsgemeinschaft Katholische Krankenhaus-Hilfe.

Wer sind wir?

(1)
Als Ehrenamtliche in den Caritas-Konferenzen ist es unsere Aufgabe, Menschen in Not wahrzunehmen und gemeinsam mit ihnen zu handeln. Wir unterstützen ihre Selbsthilfekräfte, vermitteln Hilfen, leisten persönliche Hilfe und regen andere zum Helfen an.
(2)
Wir sind Teil der geschwisterlichen Kirche und tragen dazu bei, ihren Auftrag zu verwirklichen. Wir begründen dies aus dem Evangelium - von Jesus beauftragt zur Gottes- und Nächstenliebe - in der Hoffnung, zu einem Leben in Solidarität und Gerechtigkeit für alle Menschen beizutragen.
(3)
Daraus erwächst unsere persönliche Verantwortung, in Kirche und Gesellschaft hineinzuwirken. Wir erfüllen diese Aufgabe ehrenamtlich, freiwillig und unentgeltlich.

Für wen sind wir da?

(4)
Menschen in Not:
Viele leben in Kontaktarmut und Isolation. Das kann auch für Menschen in gesicherten materiellen Verhältnissen gelten. In unserer Gesellschaft gibt es Menschen, die das Leistungsprinzip nicht erfüllen und durch die Maschen der sozialen Netze fallen. Materiell Arme oder auch Arbeitslose fühlen sich am Rande einer Gesellschaft, die vorwiegend auf Effizienz, Erfolg und Selbstverwirklichung setzt. Einschränkungen durch Alter, Krankheit oder Behinderung führen oft dazu, dass Betroffene über ihr Leben nicht selbst bestimmen können. Sie brauchen die Beziehung zu Menschen, die ihre Würde achten und ihre Bedürfnisse anerkennen. Viele Fremde leben und arbeiten unter uns und sind doch nicht Teil unserer Gesellschaft. Flüchtlinge suchen in Deutschland Asyl oder Gastfreundschaft auf Zeit, bis sich die Verhältnisse in ihren von Krieg und Naturkatastrophen betroffenen Heimatländern gebessert haben. Aussiedler kommen zu uns, um hier eine neue Heimat zu finden. Besonderes Augenmerk richten wir auf Frauen und Familien in ihren verschiedensten Belastungssituationen.
(5)
Alle diese Menschen leben in unseren Gemeinden oder in unserer Nachbarschaft. Wir können ihnen im Sinne des Evangeliums Nächste werden.
(6)
Ehrenamtliche der CKD:
Offenheit, Toleranz, Achtung vor der Würde des anderen und Interesse für sein Lebensumfeld sind die Basis dafür, dass die Begegnung mit den Menschen in Not gelingt und auch für uns fruchtbar wird. Wir sind eingebunden in eine Gemeinschaft, in der wir Freundschaft, geistliche Begleitung und Rückhalt finden. Die Gruppe/Konferenz entlastet uns dort, wo wir an unsere persönlichen, fachlichen und zeitlichen Grenzen stoßen. Wir leben im Umfeld der Betroffenen. Wir achten ihre Würde und begegnen ihnen in Offenheit und Toleranz.

Wie und mit wem arbeiten wir?

(7)
Not ist nie nur die Not des einzelnen Menschen; sie hat familiäre, gesellschaftliche, politische und kulturelle Ursachen. Darum steht am Anfang unseres Dienstes die Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen der Hilfesuchenden. Vor diesem Hintergrund sind die individuellen Umstände der Not, die Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen festzustellen. Dabei sind ihre Fähigkeiten und Selbsthilfekräfte zu stärken. Unsere Arbeit braucht Kompetenz und Intuition, Initiative und Hingabe, Barmherzigkeit und Sinn für Gerechtigkeit. Wir verpflichten uns zum Schutz der Betroffenen zur Verschwiegenheit. Missstände und ihre gesellschaftlichen Ursachen dagegen machen wir öffentlich.
(8)
Die Gemeinschaft stärkt die Einzelnen. Wir sind keine Einzelkämpfer(innen), sondern arbeiten im Team und sind als Gruppe eingebunden in den Gesamtverband der Caritas-Konferenzen Deutschlands e.V. Die Übernahme von Funktionen und Arbeitsbereichen wird auf allen Ebenen des Verbandes demokratisch entschieden.
(9)
Der Verband der Caritas-Konferenzen Deutschlands e.V. unterstützt die einzelnen Gruppen und Initiativen durch Information und Fortbildung, durch Öffentlichkeitsarbeit und Interessenvertretung in Gesellschaft und Kirche. Die Anwaltsfunktion des Verbandes bezieht sich somit einerseits auf die ehrenamtlich Tätigen, andererseits auf die Menschen in Not.
(10)
Die Satzung der CKD legt Ziele, Aufgaben und Handlungsweisen des Verbandes und der angeschlossenen Gruppen fest. Das macht die Caritas-Konferenzen zu einem verlässlichen Partner im Netz der kirchlichen und freien Wohlfahrtspflege.

Partner im Arbeitsfeld:
(11)
Wir engagieren uns im inner- und außerkirchlichen Raum. Wir sind Teil eines Netzwerkes von kirchlichen Organisationen, Diensten und Einrichtungen der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege. Der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Deutschen Caritasverband und seinen Gliederungen kommt dabei besondere Bedeutung zu.
(12)
Für die Zukunft ist es wichtig, je nach Arbeitsfeld und Situation Partner zu suchen und die Zusammenarbeit mit ihnen zu pflegen. Wir arbeiten auch ökumenisch. Wer unsere Partner sind, entscheidet sich von Fall zu Fall neu: Das gemeinsame Anliegen, zu helfen und Hilfe zu vermitteln, und die Interessen der Menschen in Not haben dabei Priorität. Unsere wichtigsten Partner sind dabei stets die Betroffenen selbst. Kommunikation und Vernetzung auch mit Partnern in Medien, Politik und Wirtschaft verbessern die Effizienz und sichern die Nachhaltigkeit der Hilfe.

Woraus schöpfen wir unsere Kraft?

(13)
Wir sind Teil der geschwisterlichen Kirche Jesu Christi. Offenheit für alle Menschen, Nächstenliebe und solidarisches Miteinander sind mit Verkündigung und Feier des Gottesdienstes wesentliche Merkmale der Kirche und Grundlagen unserer Arbeit.
(14)
Unsere Kraft für den Dienst schöpfen wir aus:

  • der Beschäftigung mit der Heiligen Schrift, dem Glauben an die Botschaft Christi und
  • der Feier der Eucharistie und dem Gebet,
  • den Begegnungen mit Menschen, deren Lebenswelten für uns oft neu sind und die uns bereichern,
  • der Freude am helfenden Tun und dem gemeinsamen Eintreten für Menschen in Not,
  • der gegenseitigen Unterstützung, den gemeinsamen Gestaltungsmöglichkeiten und
  • der Erfahrung, dass viele unterschiedliche Menschen hier und in vielen anderen Ländern der Welt gemeinsam mit uns auf dem Weg sind.

Welches sind unsere Wurzeln und unsere Geschichte?

(15)
In der 2000-jährigen Geschichte der Kirche haben Christen auf vielfältige Weise die Menschenfreundlichkeit Gottes erfahrbar gemacht. Heilige der Nächstenliebe wie Elisabeth von Thüringen, Louise von Marillac, Ordensgründer und ihre Gemeinschaften geben über die Jahrhunderte Zeugnis von der Nachfolge Jesu. Mit der Gründung der ersten Frauenkonferenz (von lat. conferre - zusammentragen) gab der französische Priester Vinzenz von Paul 1617 der tätigen Nächstenliebe erstmals eine organisierte Form in der Pflege der Kranken und der Unterstützung der Familien in der Pfarrgemeinde. Mit dem Namen "Charité" gab er ihnen zugleich ein Programm mit auf den Weg: die tätige Liebe zum notleidenden Menschen.
(16)
Im gleichen Geist gründete 1840 Anna Weißebach in Trier die erste Gruppe im sozialen Ehrenamt tätiger Frauen in Deutschland. In der Folge entstanden in vielen deutschen Städten und Gemeinden ähnliche Gruppen, Elisabeth-Vereine, Elisabeth-Konferenzen und Frauen-Vinzenz-Vereine.
(17)
Nach dem ersten Weltkrieg entstanden die ersten Diözesanverbände, die sich 1931 auf nationaler Ebene zusammenschlossen, seit 1950 unter dem Namen "Elisabeth-Konferenzen Deutschlands". 1971 erfolgte die Umbenennung in "Caritas-Konferenzen Deutschlands". Im selben Jahr haben die Caritas-Konferenzen Deutschlands zusammen mit 19 anderen nationalen Verbänden die Association Internationale des Charités (AIC) neu konstituiert.
(18)
Zum Verband gehören heute 17 Diözesanverbände bzw. Diözesanarbeitsgemeinschaften und die Arbeitsgemeinschaft Katholische Krankenhaus-Hilfe.

Welche Visionen haben wir?

(19)
Wir stehen vor der Herausforderung, das christliche Menschenbild und das christliche Verständnis von geschwisterlicher Liebe, Gerechtigkeit, Toleranz und Barmherzigkeit in ein neues Zeitalter zu tragen.
(20)
Wir wollen offen sein für Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen und Glaubenserfahrungen.
(21)
Dazu gehört die Anerkennung der Würde jedes einzelnen Menschen, die Beteiligung der Betroffenen an Entscheidungsprozessen, damit sie ihre soziale und kulturelle Entwicklung selbst gestalten können.
(22)
Wir möchten der Not der Menschen gezielt entgegenwirken durch die Veränderung gesellschaftlicher und sozialer Rahmenbedingungen.
(23)
Mit Nachdruck setzen wir uns ein für Gerechtigkeit und Solidarität in unseren Gemeinden, in unserem Land und weltweit.
(24)
Die sich ändernden Lebensbedingungen fordern uns heraus, Voraussetzungen zu schaffen, unter denen soziales Engagement auch in Zukunft möglich ist. So gilt es
die Begabungen und Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufzugreifen und weiterzuentwickeln und ihnen Aufgaben zu ermöglichen, die ihnen Freude machen.
(25)
Hoffnung und Zuversicht der Caritas-Konferenzen gründen in dem festen Glauben, dass Gott in jedem Menschen lebt und dass er auch durch uns wirkt, wenn wir uns vom Geist der Liebe anstecken, ermutigen und bewegen lassen.

Beschlossen beim Vertretertag 2000 in Paderborn