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Diözesanbegegnungstag der CKD im Kloster Schöntal

„In einem lebendigen Menschen verherrlicht sich Gott.“ Irenäus von Lyon

Schöntal, 30.06.2018: Insgesamt 90 Ehrenamtliche der Caritas-Konferenzen Deutsch-lands e. V. in der Diözese Rottenburg-Stuttgart setzten sich am Samstag, 30.06.2018 im Kloster Schöntal mit Fragen zum modernen Ehrenamt auseinander. Prof. Dr. Paul-Stefan Roß vom Institut für angewandte Sozialwissenschaften und Justyna Höver, Mag. theol. Dipl.-Ing., M.Sc., ermutigten die Teilnehmenden neue Wege im Ehrenamt und Freiwilligenmanagement einzuschlagen. Anhand von Best-Practice-Modellen zeigten Ehrenamtliche der CKD am Nachmittag, wie ein vernetztes, am Engagierten orientiertes Ehrenamt funktionieren kann. Höhepunkt der Veranstaltung war eine Kostprobe des musisch-kulturellen Bildungsprojektes „einmenschenlebenlang“, das Ehrenamtliche, kirchliche Mitarbeiter*innen, eine Künstlerin und zwei Musiker*innen zusammen-führte.

Prof. Dr. Paul-Stefan Roß erläuterte, wie sich das Ehrenamt mit der Einführung der kommunalen Selbstverwaltung und der freien Wohlfahrtspflege Anfang des 19. Jh. zum Freiwilligenengagement in der heutigen Zeit inhaltlich, organisatorisch und begrifflich entwickelt und verändert hat. „Engagement ist immer Kind seiner Zeit“, so seine zentrale These. Mit der jeweiligen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Situation ändern sich auch die Motive und Formen, wie Menschen sich engagieren. Unter dem Titel „Ehrenamt im Wandel - unterwegs zum Engagement 4.0“ umriss er die wichtigsten Stationen vom traditionellen Ehrenamt (Engagement 1.0), das durch Kontinuität und Verlässlichkeit gekennzeichnet war, über die Weiterentwicklung zum Freiwilligenengagement in Aktionen und Projekten, dem Engagement 2.0 ab den 90-er Jahren, hin zum bürgerschaftlichen Engagement (Engagement 3.0) und aktuell bzw. zukünftig hin zum Engagement 4.0. Fest steht: Engagement ist heute vielfältiger, bunter, spannungsreicher und widersprüchlicher denn je. Die Verständigung zwischen den Engagierten, Initiativen, Vereinen oder Organisationen, die sich für spezielle Zielgruppen oder Interessen einsetzen, wird dabei ebenso zunehmend schwieriger und konfliktvoller. Modernes Engagement zeichnet sich vor allem durch Projekte oder durch spontanes Vorgehen aus. Engagement in time, von heute für morgen, baut auf der Digitalisierung auf, die eine schnelle Suche von Engagierten und zeitnahe Formen der Hilfe ermöglicht. „Wenn Leben zum Patchwork wird, kann Engagement nicht kontinuierlich sein“, damit öffnete Prof. Roß den Teilnehmenden der CKD-Veranstaltung, die sich mehrheitlich kontinuierlich und verlässlich in Kirchengemeinden engagieren, den Blick auf das veränderte Engagement junger Menschen. Sie wollen sich ziel- und passgenau dort engagieren, wo es zu ihrer persönlichen Situation und ihrer Einstellung passt.
Die Angst vor den Folgen der Überalterung im Ehrenamt, die Schwierigkeiten bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter*innen und die Sorge um den Bestand des eigenen Vereins oder der eigenen Organisation sind im traditionellen Ehrenamt nicht neu. Vielmehr kennzeichneten sie das Ehrenamt schon seit mindestens 30 Jahren – und doch ging es immer weiter. Noch nie haben sich so viele Menschen wie heute engagiert, aber sie tun es anders. Auf die Schluss-frage, wo sich die Mitglieder der CKD sehen, erhielt er überraschende Antworten. Das Spektrum der Selbsteinschätzung der CKD-Mitglieder lag zwischen Ehrenamt 2.0 und Ehrenamt 4.0.

Justyna Höver stellte einen Ansatz zur charismenorientierten Gemeindearbeit vor, der seinen Ursprung in den USA am dominikanischen „Catherine of Siena Institute“ hat. Ziel ist es, Laien zum Aufbau des Reiches Gottes zu befähigen, und zwar dort, wo sie in ihrem Alltag und Engagement stehen, und nicht beschränkt auf eine Pfarrgemeinde vor Ort. Es geht darum Menschen aufzubauen, sie in ihrer Einzigartigkeit zu sehen und mit dem zu arbeiten, was sie an Geschenktem mitbringen. Ihre Gnadengaben, ihre Charismen sollen dazu beitragen, die Würde des Menschen wiederherzustellen und zu fördern. Der Gedanke des Kirchenvaters Irenäus von Lyon, 2. Jh. n. Chr., „In einem lebendigen Menschen verherrlicht sich Gott.“ kann dabei als Leitgedanke dienen. Der Frage „Was macht den Menschen lebendig?“ wurde in 4 Thesen nachgespürt:
1. Lebendig macht, was den Menschen herausfordert: Aufgabe einer guten Leitung, auch im Ehrenamt sei es, die Fähigkeiten und Talente der Menschen zu erkennen und gezielt einzusetzen.
2. Charismen stehen für alle Gaben, die den Menschen geschenkt wurden, für alles, was über sie hinausweist und wodurch auch andere lebendig werden. Charismen bauen den Menschen auf, sie sind nie erniedrigend. Sie wachsen durch die Beziehung des Menschen zu allem, was seine Würde ausbaut und fördert. Das kann Gott oder die Religion sein aber ebenso die Musik, der Sport oder die Liebe zur Natur.
3. Jeder Mensch hat ein Charisma. Möglicherweise ist es eine Lebensaufgabe, das eigene Charisma zu entdecken und zu entwickeln.
4. Charismen werden in Gemeinschaft erkannt und gefördert.

In einer Word-Cloud waren verschiedene mögliche Charismen dargestellt. Das Spektrum reichte von der Gastfreundschaft über die kleinen Dienste bis hin zur Musik, kreativem Handwerk, der Verwaltung oder Leitung. Auf die Frage, was die Teilnehmenden besonders anspreche, antwortete Ursula Baier, Diözesanvorstand der CKD, die kleinen Dienste. Diese seien für das Funktionieren von Veranstaltungen, von Angeboten oder Hilfen in nachbarschaftlichen Systemen sehr wichtig, würden aber oft nicht wahrgenommen.

Am Nachmittag gingen die Teilnehmenden in 6 Workshops und Vertiefungsgruppen. Dort er-fuhren sie Ermutigung durch praktische Engagementfelder, in denen es gelingt, orientiert an den Interessen der Engagierten, kleine funktionierende, soziale Netze aufzubauen.
Der Höhepunkt des Nachmittags war die Hörprobe der Initiative „einmenschenlebenlang“, die sich aus dem CKD-Qualifizierungsprojekt „Bewegende Momente“ 2015/16 entwickelt hat. Hildegard Schnetz-Frangen, Honorarmitarbeiterin der CKD und Referentin für Familienpasto-ral in den Dekanaten Ludwigsburg und Mühlacker, Schuldekan Lehmann aus dem Dekanat Spaichingen, Christina Gondesen, Autorin, Dorota Petrow, Künstlerin, Matthias Störr, Musiker und Konstanze Fladt, Tanz- und Musiktherapeutin und Honorarmitarbeiterin der CKD, brachten das Märchen von Ollis Weg vor der Geburt über das Leben auf der Erde bis zur Rückkehr in seine vorgeburtliche Heimat auf die Bühne und berührten mit ihren existentiellen Fragen, der Geschichte und den jeweils passenden Tonlagen die Herzen der Teilnehmer*innen. Aus diesem Projekt sollen Bildungs- und Reflexionsmaterialien für Schulen, Kirchengemeinden, soziale Einrichtungen und jeden interessierten Menschen entstehen: ein Hörbuch, Symbolkarten passend zum Märchen mit Impulsen auf der Rückseite, das Märchen und Hinweise zum Einsatz der Materialien. Aktuell suchen die CKD als Träger des Projektes Fördermöglichkeiten, damit die Ideen Wirklichkeit werden.

Den Abschluss bildete ein feierlicher Gottesdienst mit Dekan Kuhbach, Dekanat Hohenlohe, in der Wallfahrtskapelle Neusaß. Das Talente-Gleichnis als Antwort auf die Frage, wie Menschen das Reich Gottes verwirklichen können, provozierte. Schließlich wurden die Talente mit dem Vertrauen Gottes in den Menschen gleichgesetzt. Dieses Vertrauen muss der Mensch aktiv annehmen, erkennen, was ihn beflügelt und lebendig macht und wie er mit dieser Gabe seinen Beitrag zum Reich Gottes leisten kann.

Schöntal, 05.07.18
Sigrid Schorn, Geschäftsführung der CKD

Türen für neue Ideen geöffnet

CKD-Diözesanverbände Limburg, Freiburg und Rottenburg-Stuttgart

„Hier sind lauter Menschen, die am selben Thema dran sind, mit denen man sich austauschen kann – das kommt im Alltag oft zu kurz“, so eine Teilnehmerin beim Fachtag „Die Türöffner“ am 8. Juni in Mannheim. Die CKD-Diözesanverbände Freiburg, Rottenburg-Stuttgart und Limburg hatten gemeinsam zu diesem Fachtag eingeladen, um über neue Besuchsdienst-formen nachzudenken. Besuchsdienste für verschiedene Zielgruppen gibt es in den meisten Pfarreien und Kirchengemeinden und haben dort eine lange Tradition. „Ich liefere Ihnen jetzt nicht das Konzept „Türöffner“, das nur auf unsere Weise umgesetzt werden kann“, erläuterte Monika Sewöster-Lumme, Miterfinderin der CKD-Türöffner-Initiative in der Diözese Osnabrück. „Mit unseren Ideen und Ansätzen möchte ich Impulse geben und anregen, wie man neue Wege gehen und Besuchsdienste gestalten kann“, so die CKD Diözesangeschäftsführerin, die den Fachtag als Referentin begleitete.
Die Türöffner-Initiative geht auf die Bedürfnisse und Vorstellungen der ehrenamtlich Tätigen sowie der zu Besuchenden besonders ein. Für die Begleitanfragen werden konkrete Profile erstellt, die es ermöglichen, die „passenden Deckel und die richtigen Töpfe“ zusammenzubringen und das Engagement überschaubarer zu machen. Dabei wird mit Einrichtungen zusammengearbeitet, die die möglichen „Kunden“ kennen, z. B. Pflegedienste oder Altenhilfeeinrichtungen.

In überdiözesan gemischten Arbeitsgruppen wurde deutlich, dass zwar an viele Erfahrungen angeknüpft werden kann, es sich aber lohnt, einmal genauer auf den „Ist-Zustand“ und die eigene Haltung zu schauen sowie den Mut zu Veränderungen zu haben. „Wir müssen dabei auch selbst etwas offener werden, sowohl für neue Ideen als auch für neue Leute und deren Interessen und Bedarfe“, bemerkte eine Teilnehmerin. „Es lohnt sich auf jeden Fall mit den Ideen von heute anzufangen, auch wenn es bei uns sicher erst einmal kleine Schritte sein werden“, resümierte eine weitere Teilnehmerin. Aus Sicht der Veranstaltergemeinschaft hat sich der Fachtag in mehrfacher Hinsicht gelohnt. Die positiven Rückmeldungen der Teil-nehmenden und deren Motivation sowie die gelungene Kooperation der verschiedenen Diözesanverbände bestätigt die Stärke der CKD als Netzwerk von Ehrenamtlichen.

Michael Götz
Diözesangeschäftsführer Limburg