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Aufstand gegen Leerstand

Aufstand gegen Leerstand

Eine kleine Initiative bewegt die Dorfgemeinschaft Degmarn

Degmarn, 18. November 2017 – Wie bleibt ein Dorf lebens- und liebenswert? Diese Frage beantworteten rund 50 engagierte Bürgerinnen und Bürger der 800-Seelen-Gemeinde Degmarn im Kochertal mit der Initiative „Degmarn bewegt“. Gemeinsam überlegten sie, wie sie eine generationenübergreifende Lebensqualität erreichen und sich auf den demographischen Wandel vorbereiten können – unterstützt von den Caritas-Konferenzen Deutschlands/Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart (CKD). Mit ihrem Projekt „Menschen besuchen und begleiten – ein Projekt zum Aufbau nachbarschaftlicher Netzwerke“ begleiteten die CKD die Degmarner Engagierten und förderten den Aufbau von sozialen Initiativen über drei Jahre finanziell. Der Erfolg belohnte die Mühen. Seit April 2017 findet monatlich ein Begegnungscafé für alle Generationen statt. Es wurde eine Nachbarschaftshilfe aufgebaut und der von Mitgliedern des TSV renovierte Raum in der Schule steht der Jugendarbeit insgesamt zur Verfügung. Grund genug, am vergangenen Samstag den Projektabschluss mit 70 geladenen Gästen und einem großen Durchstartfest in die Zukunft zu feiern.

Dabei war die Ausgangslage alles andere als ermutigend: Die Bahnstrecke nach Degmarn war bereits 1993 stillgelegt worden, der einzige Laden ist schon lange geschlossen, zuletzt folgte die Schule. Was blieb, war der Kindergarten St. Martin als einzige Betreuungseinrichtung im Dorf und als wichtiger Treffpunkt.

Diakon Gregor Josef Haag ergriff angesichts dieser Situation die Initiative und wandte sich an die Caritas-Konferenzen. Mit deren Projekt „Menschen besuchen und begleiten – ein Projekt zum Aufbau nachbarschaftlicher Netzwerke“ gelang es, Menschen für die Idee einer Dorf-Initiative zu begeistern, die soziale Situation vor Ort nach und nach zu verbessern, der Vereinsamung alter Menschen entgegenzuwirken und die Bürgerinnen und Bürger für ein soziales Engagement zu gewinnen. Ein lebendiges Miteinander, achtsame und aufmerksame Nachbarschaften und der Blick auf die sozialen, historischen und kulturellen Kleinode des Ortes wurden seit 2015 entdeckt, entwickelt und gefördert.

Dabei wirkten die Kommune mit Bürgermeister Matthias Schmitt, der Sportverein mit Vorstand Armin Keicher und die katholische Kirchengemeinde mit Diakon Gregor Josef Haag Hand in Hand, sodass die kleine Gemeinde im Kochertal ihre Chance wahrnahm. Nach einer Befragung der Bürger 2016 erklärten sich 50 von ihnen bei einer Bürgerversammlung im Februar 2017 zur Mitarbeit bereit. Durch ihren Einsatz wurde die Jugendarbeit des örtlichen Sportvereins belebt und ein Jugendraum in der ehemaligen Schule eingerichtet. Seit April 2017 gibt es einmal im Monat Begegnungsmöglichkeiten zu interessanten Themen, die auf regen Zuspruch bei Groß und Klein stoßen.
Dieser Prozess der Ortsgestaltung und der Förderung von Begegnung und solidarischer Unterstützung ist mit „Degmarn bewegt“ erfolgreich angestoßen worden und geht weiter mit vereinten Kräften von Kirche, Kommune und Vereinen.

Sigrid Schorn
CKD-Geschäftsführung

Hintergrund: Das Projekt wurde finanziert aus Mitteln der Glücksspirale, der Mutter-Teresa-Stiftung, der Hauptabteilung Caritas im Bischöflichen Ordinariat und des Kuratoriums Deutscher Altenhilfe.

Die Caritas-Konferenzen Deutschlands Rottenburg-Stuttgart
In der Diözese sind 250 karitative Gruppen in Kirchengemeinden und sozialen Einrichtungen mit rund 6500 Ehrenamtlichen Mitglied bei den Caritas-Konferenzen Deutschlands. Im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe tragen sie zum Aufbau nachbarschaftlicher Netzwerke und sozialer Initiativen bei. Der Diözesanverband setzt sich für attraktive Rahmenbedingungen im karitativen Ehrenamt ein und vertritt die Interessen Ehrenamtlicher und von Menschen in sozialen, finanziellen und psycho-sozialen Notlagen in Kirche und Gesellschaft.
Info: www.ckd-rs.de oder unter geschaeftsstelle@ckd-rs.de, 0711 2633-1161.